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Berlin, 27.06.2018. Wie die Tageszeitung „Die Welt“ meldete, will die Deutsche Bahn AG bei angehenden Auszubildenden künftig auf das Bewerbungsschreiben […]

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Deutsche Bahn – Verzicht auf Bewerbungsschreiben ist Signal an Leistungsverweigerer

Deutsche Bahn – Verzicht auf Bewerbungsschreiben ist Signal an Leistungsverweigerer

Berlin, 27.06.2018. Wie die Tageszeitung „Die Welt“ meldete, will die Deutsche Bahn AG bei angehenden Auszubildenden künftig auf das Bewerbungsschreiben verzichten. Der Konzern wolle es Bewerbern „so einfach wie möglich machen“. Für Schüler sei ein solches Motivationsschreiben „schon schwierig“, wie eine Personalreferentin der DB erklärte. Die Motivation der Bewerber würde ohnehin noch einmal in einem separaten Gespräch geklärt.

Die Bundes- und Landtagsabgeordnete der Blauen Partei, Frauke Petry, kommentiert:

„Der Schritt, den die Deutsche Bahn gehen möchte, ist in drei Worten zusammengefasst: Grotesk, unnütz, niveaulos. Mit spitzer Zunge könnte man nun fragen, welche ‚Erleichterungen‘ der Konzern künftig noch in Petto hat. Ist es angehenden Lokführern irgendwann gar nicht mehr zuzumuten, die Berechnung im Kopf für den Bremsweg durchzuführen? Wann schafft das Unternehmen die Stil-, Kleidungs- und Schminktipps für künftige Zugbegleiter ab? Alles Dinge, die für junge Leute ‚schon schwierig‘ sind – zumindest dann, wenn man die Entscheidung der Bahn etwas weiterdenkt.

Wenn große Unternehmen dem bedenklichen Niveauabfall deutscher Schulabschlüsse noch das Wort reden und damit deutlich zeigen, dass den mit simplen Alltagsaufgaben ‚überforderten‘ Schülern nicht zuzumuten ist, sich vielleicht einen Tag konsequent mit etwas zu beschäftigen, dürfen wir uns über den zunehmenden ‚Billigtrend‘ in unseren Gymnasien und Oberschulen nicht wundern.

Der angedachte Verzicht auf ein Bewerbungsschreiben bestraft allerdings auch jene Schüler, deren Noten sie für einen Ausbildungsplatz nicht unbedingt prädestinieren würden. Die allerdings im Wort überzeugend darlegen könnten, warum gerade sie die richtigen Kandidaten wären. Will der Konzern künftig also nur noch nach Noten im Zeugnis gehen, wer zu einem Motivationsgespräch geladen wird?

Kurzum: Ein Bewerbungsschreiben zeigt schnell und übersichtlich, was von einem Aspiranten zu halten ist. Dass einem Staatsunternehmen nun völlig egal zu sein scheint, welche Personen man auf seine Kunden loslässt, wie mit Partnern kommuniziert, welches Außenbild künftig präsent ist, ist einerseits zwar unternehmerische Freiheit. Aber nichtsdestotrotz ein deutliches Signal an alle, denen Leistung und Wettbewerb nichts sagen.“