Seit dem gestrigen Mittag gibt es im politischen Deutschland kein anderes Thema, als die völlig überraschende Wahl des FDP-Mannes Thomas […]
«+++ Herzlichen Glückwunsch, MP Thomas Kemmerich +++

Seit dem gestrigen Mittag gibt es im politischen Deutschland kein anderes Thema, als die völlig überraschende Wahl des FDP-Mannes Thomas Kemmerich zum neuen Ministerpräsidenten von Thüringen. Wer darauf gewettet hätte, dass die FDP, die mit nur einem hauchdünnen Stimmenanteil den Sprung über die Fünfprozenthürde und somit in den Landtag schaffte, am Ende den Ministerpräsidenten stellt, hätte einen ordentlichen Gewinn einstecken können. Historisch mutet dieser Coup an und bezeichnend ist er allemal. Es ist nachvollziehbar, dass die sichergeglaubten Wahlsieger über dieses Ergebnis schockiert sind, jedoch bahnt sich ihre Enttäuschung einen Weg, der einer Demokratie unwürdig ist.
Dem Wahlsieger, der offensichtlich selbst noch unter Schockstarre stand, Blumen vor die Füße zu werfen, zeugt von schlechtem Benehmen. Und dies auch noch ausgerechnet von einer Diplom-Pädagogin. Dabei sind die Spielregeln doch ganz einfach: Es gewinnt, wer die meisten Stimmen auf sich vereinen kann. Weder steht irgendwo, dass bestimmte Parteien kein Recht haben an dieser demokratischen Wahl teilzunehmen, noch dass Absprachen jenseits von links verboten sind. Und dennoch fabuliert die linke Filterblase nun einen neuen Fritz von Papen herbei. Welch Erdbeben diese mediale Bildsprache auslöst, erkennt man an den Stellungnahmen der jeweiligen Mutterparteien. Mit Ausnahmen der FDP und AfD ist quer durch alle Reihen von Neuwahlen die Rede. Das erinnert an Kinder, die unter Tränen und Geschrei ein Spiel abbrechen möchten, dass sie auf der Gewinnerseite noch ganz toll fanden. Um dieser Forderung weiteren Nachdruck zu verleihen, versammelten sich bereits gestern in einigen Städten „Demonstranten“ und auch das Haus von Thomas Kemmerich wurde mit Parolen beschmiert. Vereinfacht könnte man auch sagen, die Verlierer möchten so lange wählen, bis ihnen das Ergebnis passt und geschieht dies nicht, dann greifen sie zu anderen Mitteln. Dies ist also die vielgelobte Demokratie in unserem Land.
Der FDP-Mann wurde mit Stimmen der AfD gewählt. Laut eigenen Aussagen gab es hierfür keine internen Absprachen und auch eine Zusammenarbeit schloss er umgehend aus. Mehr politische Distanzierung geht nicht. Es stellt sich in diesem Zusammenhang jedoch die Frage, was passiert wäre, wenn die AfD für Bodo Ramelow gestimmt hätte. Hätte er dann, wie es nun von Thomas Kemmerich gefordert wird, das Mandat abgelehnt? Wenn dem so ist, warum hat Herr Ramelow dann seit 2017 weiterregiert, obwohl seine Regierungsmehrheit nur durch einen AfD-Überläufer gesichert wurde?
In diesem Sinne gratulieren wir dem neuen Ministerpräsidenten Thüringens, Thomas Kemmerich und wünschen ihm neben Durchhaltevermögen auch ein glückliches Händchen für die kommenden politischen Herausforderungen.


